Kirche

Die jüngere Geschichte der Kirche und Kirchengemeinde

 

1908 Mittlerweile ist die Kapelle zu klein geworden, sie ist baufällig, in Regenperioden steht das Wasser auf dem Fußboden. Halingen hat damals ungefähr 600 Einwohner, die – ermuntert von ihren Geistlichen – in Hauskollekten fleißig für eine neue Kirche spenden. Der damals sehr bekannte und auch geschätzte ein-01-Kirche- Zeichn-Ansicht- WestBochumer Architekt und Regierungs-Baumeister (1845-1917) Hermann Wielers wird gebeten, einen Entwurf für eine repräsentative Kirche abzuge-ben. Für ihn kommt nur ein neugotischer Backsteinbau in Frage: Der gotische Stil entspricht damaligem Empfinden von Größe, Erhabenheit, von typisch deutscher Mentalität, von der romantischen Begeisterung für das Mittelalter.

Am Dreifaltigkeitssonntag, 14. Juni 1908,  wird der Grundstein gelegt, schon ein halbes Jahr später ist der Rohbau fertig.

ein-02-Hochaltar- um1925

Das Bild zeigt den 1922 errichteten Hochaltar

1909 Am 17. Oktober 1909 nimmt  Pfarrer Boeddicker aus Menden die Benediktion (Einsegnung) vor: In feierlicher Prozession wird das Allerheiligste aus der Kapelle in die neue Kirche übertragen und die erste heilige Messe  gefeiert.

1912 Bischof Karl Joseph Schulte (später Kardinal und Erzbischof von Köln) weiht am 2. Oktober 1912 die neue Kirche.

In die Platte des Hochaltars werden die Reliquien der Märtyrer Mansuetus und Simplicius, die sich vorher im Altar der alten Kapelle befanden, eingemauert. Nach der feierlichen Konsekration (Weihe) werden 104  Jugendliche (52 „Knaben“ und 52 Mädchen) aus Halingen und Dahlhausen gefirmt.

1919 Die Kapellengemeinde Halingen wird zur Pfarrvikarie ohne eigene Vermögensverwaltung erhoben. Sie gehört weiterhin zur Kirchen-gemeinde St. Vincenz.

Die erste Fronleichnamsprozession wird abgehalten, 16 Triumphbögen werden errichtet. Die Feier wird leider gestört durch einen Einbruch in der Kirche: Dem Dieb fallen der beste Kelch und das beste Ziborium (Aufbewahrungsgefäß für die Hostien) in die Hände.

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Zwischen 1922 und 1932 befindet sich die Kanzel noch auf der linken Seite

1922 Der Hochaltar wird errichtet: Ein Flügelaltar, der in der Fasten- und Adventszeit zusammen-geklappt werden kann, geschnitzt von den Gebrüdern Marmon in Sigmaringen.

Renovierung des Sei-tenaltars durch den Bildhauer Mündelein in Paderborn. Er fügt dem Barockaltar ein Antepen-dium (Verkleidung des Altarunterbaus) mit der Darstellung des Opferlammes und eine Leuchterbank hinzu. Um den Altar vor weiterem Verfall zu bewahren, werden die vom Holzwurm angegriffenen Ornamente aus Weidenholz ausgekocht und gehärtet.

1927 Der Kirchplatz wird umgestaltet in eine Parkanlage, ein Prozessionsweg um die Kirche wird errichtet, ein Ehrenmal für die im Weltkrieg Gefallenen wird geplant.

1929 Halinger Bürger können auf dem Friedhof in Halingen beigesetzt werden, der von der „Katholischen Interessengemeinschaft Halingen e. V.“ eingerichtet wird. Damit haben die Beerdigungen auf dem Kirchhof St. Vincenz in Menden ein Ende.

Feierliche Einweihung der neuen Orgel am Feste Christi Himmelfahrt. Um eine entsprechende Orgelbühne bauen zu können, werden die Halinger gebeten, Eichenholz zu spenden. Fast jeder schenkt einen Stamm. Die Brüstung der Orgelbühne kann für den billigen Preis von 400 M in Benninghausen bei Lippstadt gekauft werden, da dort die Orgelbühne abgebrochen wurde.

ein-04-Ehrenmal1930 Pfarrer Dr. Lorenz Pieper lässt 38 junge Linden („Heldenlinden“) auf dem Kirchplatz anpflanzen in Erinnerung an die im 1. Weltkrieg gefallenen Halinger Krieger. Die Mendener Zeitung schreibt: „Diese 38 Linden … werden noch nach hundert Jahren raunen und rauschen von Taten deutscher Helden; wie sie die Weltgeschichte nur einmal gekannt und vernommen hat.“

Im Herbst wird das Ehrenmal, ein Brunnen mit der Figur des Hl. Michael, eingeweiht. Die Ausführung liegt in der Hand des renommierten Bildhauers Albert Mazzotti aus Münster.

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1933 wird die Kanzel auf die rechte Seite versetzt

1933 Die Kanzel wird von der Evangelienseite (Die Evangelienseite befindet sich in katholischen Kirchen immer im Norden) auf die Epistelseite (Südseite) gestellt. Somit hat man eine freiere Sicht auf den Muttergottesaltar.

Zu Weihnachten schenkt Direktor Schulte vom Walzwerk Langschede der Kirche einen großen, geschweißten Kanonenofen – in diesem kalten Winter eine Wohltat für die Gläubigen. Der Ofen steht in der Kreuzung auf der Epistelseite und kann an den Schornstein vom Heizungskeller angeschlossen werden.

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1934 Glockenweihe

1934 Anlässlich des 25-jährigen Kirchweih-jubiläums erhält die Kirche drei neue Glocken. Pfarrvikar Schröer nimmt die Glockenweihe vor.

Der alte Kreuzweg, der schon Jahrzehnte in der alten Kapelle gehangen hatte, wird ersetzt durch einen neuen. Aus Kostengründen entscheidet sich die Gemeinde für den Kreuzweg von Gebhard Fugel, ein Kunstdruck, auf Sperrholz aufgezogen und mit einem würdigen Rahmen versehen

1942 Im Rahmen der Kriegswirtschaft werden die drei Glocken abgenommen und zum Mendener Bahnhof transportiert. Wie viele andere tausend Glocken werden sie eingeschmolzen und für die Rüstungsindustrie verwendet.

1945 13./14. April.  Die amerikanischen Truppen beschießen Halingen, die Kirche wird von einer Granate getroffen, sämtliche Chorfenster und die Fenster der Marienkapelle werden zerstört.

1946 Ein neuer Taufbrunnen wird in der Nähe des Marienaltars aufgestellt. Er ist vom Kunstschmied Fritz Häuschen in Sümmern aus Marmor gefertigt, der Deckel aus Kupfer. Die Umschrift am unteren ein-07- TaufsteinRande lautet: „Herabsteige in diesen Taufquell die Kraft des Heiligen Geistes.“

Die Kapelle an der Männerseite wird in eine Gedenkstätte umgewandelt. Die Kölner Mosaikwerkstätten Ludwig Beyer bringen zwei Mosaiktafeln an. Die linke Tafel zeigt die Namen der Gefallenen von 1914 – 18, die rechte die Namen der Gefallenen von 1939 – 45. Unter dem Spruchband „Die Rechte des Herrn hat mich erhöht, nicht sterbe ich: ich werde leben.“ befinden sich zwei Tafeln mit den Namen und Todesdaten der Halinger Bürger, die Opfer des 2. Weltkrieges wurden.

Erwähnt sind die 17 Opfer der Möhnekatastrophe die in der Nacht vom 16. zum 17. Mai 1943 in den Tod gerissen wurden, dann die Namen der Opfer des Beschusses  am Ende des Krieges, sodann der Name von Josef Wiemann, der nach dem Krieg durch plündernde Horden ermordet wurde. Schließlich sind noch die Namen der Mitbürger verzeichnet, die gleich nach dem Krieg schwerkrank aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurden und auf dem Weg in die Heimat oder hier verstorben sind.

Die Heizanlage wird fertig gestellt, der Heizkessel wird von einer Aachener Firma eingebaut. Der Ofen wird mit Koks befeuert.

Nach vier Jahren kann sich die Gemeinde am Geläut von drei neuen Glocken erfreuen.

1947 Die Firma B. Vortmann aus Recklinghausen installiert die Turmuhr in die vier Nischen, die bei der Errichtung des Turmes im Jahre 1908 auch gleich als Uhrennischen geplant waren. Ab Ostern 1947 zeigt nun die Uhr nach allen vier Seiten der Gemeinde die genaue Zeit an und begleitet die tägliche Arbeit mit viertelstündigem Schlag.

1951 Der in Bösperde geborene Glaskünstler Hubert Spierling (geb. 1925) entwirft neue Fenster für den Chorraum, die dann von der Glasfirma Otto Peters, Paderborn, gefertigt und eingesetzt werden. Das mittlere der drei Chorfenster hat als Hintergrund der Kreuzigungs-gruppe des Hochaltars die Struktur eines einfachen Mosaikteppichs. Die beiden anderen Fenster zeigen die vier Erzengel: Michael mit dem Schwert, Raphael mit den Fischen, Gabriel mit der Lilie und Uriel, der nach den Apokryphen (kirchlich nicht anerkannte Schriften der Bibel) die Stammeltern Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben haben soll, mit dem Schlüssel. Heute befinden sich die vier Glasfenster in der Friedhofskapelle.

1958 Eine elektrische Liedanzeige wird angeschafft.

1959 Die Halinger Kirche wird 50 Jahre alt. Sie wird zur Pfarrvikarie mit eigener Vermögensverwaltung erhoben. Am 23. August wird der erste Kirchenvorstand der selbstständigen Gemeinde gewählt. Die Pfarrvikarie ist weiterhin der Pfarrei St. Vincenz Menden zugeordnet.

Der Friedhof, bisher Eigentum der Interessengemeinschaft e. V. Halingen, wird Eigentum der Kirchengemeinde.

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Der Chorraum nach den Änderungen 1968

1968 Die Kanzel wird abgebaut, „aus der Höhe geholt“. Der Prediger – so interpretiert man nun die Beschlüsse des  II. Vatikanischen Konzils – soll nicht mehr oberhalb der Gemeinde stehen, sondern auf gleicher Ebene mit dem Kirchenvolk. Die Kanzel wird jetzt an dem Pfeiler der Taufkapelle angebracht. Der alte Marienaltar wird abgebrochen, das Marienbild an die Wand gesetzt. Das Taufbecken findet seinen Platz in der Taufkapelle.

Eine neue Sprechanlage wird in Gebrauch genommen.

Die Kommunionbank als Schranke zwischen Klerus und Gemeinde wird abgebaut. Aus den geschnitzten Elementen wird der neue Altartisch hergestellt. Weitere einschneidende Änderungen für die Gemeinde sind die Einführung der Handein-11- 1973-Kirchturmbrandkommunion und die Einführung von Bußgot-tesdiensten. Damit wird der Beichtstuhl in der Kirche so gut wie überflüssig.

1972 Das alte Pfarrhaus (Vikarie) wird abgerissen. Das neue Pfarrhaus wird fertig gestellt. Es hat nun einen Versammlungsraum und ein Büro.

Am 12. August werden vom Barockaltar drei Figuren gestohlen. Nur die Figur des Hl. Joseph kann wiederbeschafft werden

1972/1973 Bau der Friedhofskapelle.

1973 01.12. Kirchturmbrand: In der Kirche finden Renovierungsarbeiten statt. Vermutlich durch Unachtsamkeit der Handwerker kommt es zu einem katastrophalen und spektakulären Brand. Der Kirchturm wird schwer beschädigt. Trotz der eisigen Kälte von
-15° C und Problemen mit dem Löschwasser kann das Feuer eingedämmt werden, bevor es auch noch auf das Kirchendach übergreift. Durch den Brand verzögern sich die geplanten Renovierungsarbeiten.

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Glockenweihe am 20. 10. 1974

Im Frühjahr 1974 wird mit dem Wiederaufbau angefangen, alle Gegenstände, die ein Raub der Flammen wurden, werden ersetzt, vier neue Glocken werden angeschafft (Glockenweihe 20. 10. 74), die Orgel restauriert und auf der Orgelbühne aufgestellt (16. April 1978), neue Krippenfiguren gekauft. Die Verzierungen im Inneren der Kirche werden übermalt, die Grundfarbe ist nun weiß.

1981 Die von Hubert Spierling entworfenen Chorfenster – mit der Darstellung der vier Erzengel – werden in der Friedhofskapelle eingesetzt.

1984 Bau des Pfarrheims, Einweihung am 31. März.

Zum 75 – jährigen Jubiläum: Die Pfarrvikarie Halingen wird der Pfarrei St. Maria Magdalena Menden Bösperde zugeordnet.ein-12-PfrHeim-um-1985

1985 Innenrenovierung der Kirche. Eine neue Zentral-heizung wird installiert, der Fußboden erneuert, ein kompletter Neuanstrich vorgenommen und verschie-dene Schreinerarbeiten ausgeführt. Während der achtmonatigen Renovierungs-arbeiten finden die
Gottesdienste im Pfarrheim statt. Das 75 – Jährige wird am 6. Okt. 1985 im Pfarrheim gefeiert, verbunden mit dem Pfarrfest und einem großen Basar.

1988 Außenrenovierung der Kirche. Von der Gesamtsumme von 1.109.000,- DM muss die Kirchengemeinde 211.800,- DM aufbringen. Die Finanzierung soll gelingen durch Spenden, Verkauf von Postkarten, Einzugsermächtigungen und Erlöse aus Gewinnen verschiedener Feste.

ein-13-Kirche-Vorplatz-1995Die Baumaßnahmen umfassen auch den Bau der neuen Sakristei.

1991 Der traditionelle Gemeindekarneval („Pfarrfest im Zeichen des Karneval“) fällt wegen des Golfkrieges aus.

1992 Neugestaltung und Ausbau des Kirchenvorpatzes.

1993 März. Einbruch in der Halinger Kirche: Der Tabernakel mit dem Allerheiligsten wird aus dem Hochaltar herausgestemmt und entwendet.

1999 Halingen wird integriert in den Pastoralverbund Menden Nord, der aus den Gemeinden St. Maria Magdalena Bösperde, St. Antonius E. Halingen, St. Apollonia Schwitten und St. Johannes Baptist Barge besteht. Seitdem ist der Pfarrer von Bösperde auch gleichzeitig Pfarrverwalter von Halingen.

2013/2014 Das Dach der Kirche wird neu eingedeckt

2014 Ab 1.1.2014 werden alle 13 Kirchengemeinden der Stadt Menden zum Pastoralverbund Menden zusammengefasst.