Prozessionen

Magdalenenprozession

Die Anfänge unserer Magdalenenprozession liegen im Dunkeln. Vermutlich war eine Viehseuche in den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts Anlass, diese Prozession zu geloben. Von Lothringen und Schwaben sei die Seuche, die einen großen Teil der Pferde und Kühe hinwegraffte, über das ganze Land verteilt worden. Der Mendener Pfarrer Franz Josef Nagel (1716 – 1744) hat die Seuche in der Pfarrchronik St. Vincenz beschrieben:

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„Das Vieh bekommt anfangs Blattern auf der Zunge, auch wohl Runtzen, welche auf diese Weis man nicht zeitlich Mittel gebraucht die Zunge abfault und das Vieh verrecken muss.“
Die Prozession nahm ihren Anfang vermutlich an einer alten Weggabelung. Die Eheleute Wienold und Katharina Heying, heute Hof Biggeleben, errichteten 1697 an eben dieser Wegkreuzung ein Heiligenhäuschen „zur größeren Ehre Gottes und seiner Mutter“. Auch heute beginnt die Prozession an eben dieser Stelle, genannt Hagedörnchen, am heutigen Friedhof gelegen. Die Prozession wird erstmals 1803 schriftlich bezeugt:
„Die Holzer Bauernschaft geht am Freitag vor St. Annae (26. Juli) sine sanctissimo und ohne Begleitung der Geistlichkeit, nur unter Anführung ihres Lehrers, von Holzen nach der Kapelle aufm Rothenberg und von da durch die Pfarrkirche wieder nach Haus.“
Warum Pfarrer Zumbroich den Freitag vor St. Anna und nicht den Festtag der Hl. Maria Magdalena (22. Juli) bezeugt hat, wissen wir nicht. 1803 jedenfalls war der Freitag vor St. Anna der 22. Juli, also der Festtag der Hl. Maria Magdalena. Die Anführung durch den Ortslehrer erfolgte, weil Holzen zu damaliger Zeit keinen Geistlichen hatte und bis 1912 zur Pfarrei St. Vincenz gehörte. 1887 wird in der Mendener Pfarrchronik bekundet:

mmb_Kapelle„Am Festtag der hl. Maria Magdalena kommt die Filialgemeinde Holzen in Prozession nach Menden und geht zur Kapelle, woselbst ein feierlich Hochamt mit Predigt gehalten wird. Nachdem zieht die Prozession den Berg hinunter durch die Stadt zur Pfarrkirche. Darauf ist etwa eine halbe Stunde Ruhepause und zieht dann weiter nach Holzen.“
An diesem Ablauf hat sich bis heute nichts geändert. Eigentlich müsste die Prozession ab 1912 „Magdalenenwallfahrt“ heißen, denn in diesem Jahr wurde die Pfarrei Holzen-Bösperde errichtet. Aber als Erinnerung an die frühere Zugehörigkeit zur Muttergemeinde St. Vincenz, in deren Pfarrgrenzen wir bleiben, wollen wir auch weiterhin von der Magdalenenprozession sprechen.
Im Heiligenhäuschen am Friedhof stand früher eine Pietá. Ein Abguss dieser Figur befindet sich heute im linken Querschiff unserer 1922 geweihten Pfarrkirche.

 Fronleichnamsprozession

mmb_fronleichnamSeit 1915 findet in der Gemeinde St. Maria Magdalena Bösperde eine Fronleichnamsprozession statt. In einer Monstranz wird das Allerheiligste dabei unter Gebeten und Gesängen durch die Straßen der Gemeinde getragen. An vier liebevoll geschmückten Altären wird Halt gemacht, um Abschnitte aus dem Evangelium zu lesen, Fürbitten zu sprechen und um den Segen Gottes zu bitten.

Ursprünglich ging die Fronleichnamsprozession einen recht weiten Weg durch das Osterfeld, war also eine echte Flurprozession. Heute gibt es zwei kürzere Wege, die im jährlichen Wechsel gegangen werden, um so dem Wachstum der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten Rechnung zu tragen.

Gemeindekreuztracht

Als Tochter der Kreuztrachtgemeinde St. Vincenz liegt in unserer Gemeinde ein besonderer Akzent auf den Kar Tagen und auf der Kreuzverehrung. Unsere Gemeindekreuztracht am Kar Freitagabend um 20:00 Uhr ist eine der am stärksten besuchten Stundenprozessionen im Gesamtgefüge der Mendener Kreuztracht. Am Kar Samstagmorgen werden dann Trauermetten gesungen, bevor der Jubel der Osternacht mit der anschließenden Agape-Feier die Stille und das Dunkel der Kar Tage ablöst.