Auf den Spuren Jesu im Heiligen Land

Reiseblog - Update vom 16.11. - Abschied vom Heiligen Land

Vom 5. bis zum 16. November pilgerte eine Gruppe aus dem Pastoralverbund Menden mit Gästen auf den Spuren Jesu in Israel. Die geistliche Leitung hatten Pastor Thomas Nienstedt und Diakon Heinz-Rüdiger Lülff in Verbindung mit Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt, der seine große Israel-Erfahrung mit auf den Weg nahm. Was die Pilger unseres Pastoralverbundes in Israel erlebt haben, können Sie den ausführlichen Tagebucheinträgen entnehmen, die durch zahlreiche Fotos ergänzt wurden.

Eine ausführliche Fotogalerie mit 222 Fotos finden Sie am Ende des Berichts in der Galerie.


Programm:

Montag, 05.11.2018
9.30 Uhr Pilgersegen in der St. Maria Magdalena Kirche
10.00 Uhr Abfahrt des Transferbusses KS-Reisen zum Flughafen Frankfurt/Main
14.30 Uhr Einchecken
17.50 Uhr Direktflug von Frankfurt nach Tel Aviv Ankunft 23.00 Uhr (Bustransfer nach Jerusalem – 6 Nächte in Jerusalem)

Blog Thomas Nienstedt: Ankunft in Tel Aviv.
Nachdem die Gruppe ihre Koffer vom Band genommen hat, ging es mit dem Bus hinauf nach Jerusalem. Es ist schon 1.00 Uhr.
Yair, unser Reiseleiter und die Schwestern begrüßen uns herzlich mit warmen Tee und leckeren Käsehörnchen. Der Tag war lang und schnell ging es ins Bett. Um 7.15 Uhr ist die Nacht vorbei.

Blog Jutta Lülff: Gestern Nacht um 01:30 sind wir wohlbehalten im St George Hospice angekommen. Mit frischen warmen Croissants und heißem Pfefferminztee von frischen Pflanzen aus dem hauseigenen Garten wurden wir sehr herzlich begrüßt. Die Zimmerverteilung klappte gut und eine Stunde später schliefen alle, denn die Nacht wird kurz.
Frühstück um 07:15 Uhr und schon in 10:00 Uhr Messe in Dominis Flevit.


Dienstag, 06.11.2018 – Vom Ölberg in die Stadt Jerusalem

Eleona (Pater-noster) Kirche
10:00 Uhr Eröffnungsmesse in der Kirche „Dominus Flevit“
Kirche der Nationen
nachmittags: Die christliche Altstadt – Annakirche – Ecco-Homo-Bogen – Grabes- und Auferstehungskirche

Blog Thomas Nienstedt: Den ersten Tag in Jerusalem haben wir überwiegend am Ölberg und in der Altstadt Jerusalem verbracht. Nachdem wir die Kirche der Nationen mit der Grotte der Schule des Meisters besucht haben, ging es zur Kapelle Dominus Flevit. Hier feierten wir unsere erste Wallfahrtsmesse. Vom Ölberg bis zur Grabeskirche ein besonderer Weg. Die Erklärung der Grabes- und Auferstehungskirche war das Zentrum des Nachmittags. Es ist schwierig die Eindrücke kurz zu fassen. Die Auswahl der Bilder geben einen guten Einblick.


Mittwoch, 07.11.2018

05:30 Uhr Messfeier in der Grabeskirche

Blog Jutta Lülff: Heute um 5:30 Uhr Messe in der Grabeskirche auf dem Berg Golgotha. Von der Grabeskapelle klangen die koptischen Gesänge zu uns herüber. Alle Anliegen brachten wir in diese Messe hinein.
Durch die leeren Altstadtgassen ging es zurück zum Jaffator, wo der Bus auf uns wartete. Nach einem guten Frühstück berichtet uns Sr. Thoma über ihre Arbeit mit den Ärmsten der Armen im Land.

anschl. Frühstück –

Blog Thomas Nienstedt: Nach dem Frühstück bedankte sich Schwester Thoma für die mitgebrachten Medikamente für die Ambulanzstation in Quebebe Emmaus.

10:00 Uhr Israel-Museum „Jerusalem zur Zeit Jesu“

Blog Thomas Nienstedt: Im Hl. Land Museum konnten wir anschließend die ältesten biblischen Schriftrollen und die Judaika und die Traditionen erleben.

Blog Lutta Lülff: 9:30 Start zum Israel Museum. Anhand des Stadtmodells erläutert unser Führer Yair die Entstehungsgeschichte Jerusalems. Die drei Stadtmauern, die Tempelbauten und der Tempelberg, die Täler und Stadtviertel. Und Msgr. Konrad Schmidt zeigt die Wege Jesu nach. Ölberg, Herodestempel, Kreuzigungsort, alle Wege und Orte der Leidensgeschichte werden dadurch nachvollziehbar.

Vor Jahren fand ein Hirtenjunge in einer Höhle bei Qumram zwei Tongefässe. Sie enthielten zwei Thorarollen, die über 2000 Jahre alt sind. In ihnen ist der gesamte Jesaja Text aufgeschrieben. Die sehr gut erhaltenen Schriften werden heute im „Schrein des Buches“ aufbewahrt und gezeigt. Das weiße Dach ist gewölbt wie der Deckel des Tongefässes und wird ständig von Wasserfontänen besprüht.
Nach innen gelangt man durch eine nachempfundene Höhle und kommt in einen riesigen Kuppelraum, wo eine Kopie des Jesaja-Textes wie eine riesige Thorarolle umrundet werden kann.

Zum Mittagessen haben wir eine Erholung im Park Beim Picknick gehabt.

Nachmittags: Yad Vashem – Tal der untergegangenen Gemeinden (Die Gruppe wird im Gedenken an die Mendener jüdischen Mitbürger einen Kranz niederlegen)

Blog Thomas Nienstedt: Von dort ging es nach Yad Vashem.

Es ist grausam. Yad Vaschem. Lebenszeugnisse der Überlebenden des Holocaust berichteten von den Greultaten in der NS-Zeit. Fotos, Filmdokumente, Gegenstände regen zum Nachdenken an.

Erinnern und Versöhnen.

An dem Denkmal der Verstorbenen Kinder haben wir der Mendener Familien gedacht, die in den KZ ihr Leben gelassen haben.

In der Gedenkhalle haben wir den Kranz übernommen.

Den Gedenkkranz haben Günter Nowak und seine Tochter Jennifer am Gedenkstein für Janusz Korczak, den jüdischen Psychologen und Erzieher niedergelegt. Es war eine ergreifende Gedenkfeier.

Gebetet haben wir am Denkmal des Aufstandes des Warschauer Ghettos den Ps 83.

Zum Abschluss des Tages ging es ins Tal der vergessenen Gemeinden.

Ein Tag, der eine Achterbahn der Gefühle war. Erst die Ostermesse in der Grabes-und Auferstehungskirche. Und dann das Erinnern an die schlimme Zeit. Mögen wir aus der Geschichte lernen.

Man muss das jetzt verarbeiten. Geholfen hat das Reflexionsgespräch mit Yair, unserem Reiseleiter, der aus seiner eigenen Familie berichtet hat.


Donnerstag, 08.11.2018 – Auf nach Bethlehem!

09:00 Uhr Weihnachtsgottesdienst in die Grotten von Bethlehem – Besuch der Geburtsbasilika (restaurierte Mosaiken) – Gang über den Basar
15:00 Uhr Universität Bethlehem
16:00 Uhr Vortrag „Friedensarbeit zwischen Palästina und Israel“
Möglichkeit zum Einkauf in einer christlichen Kooperative

Blog Jutta Lülff: Heute 9:00 Uhr: Weihnachtsgottesdienst in Bethlehem in der Milchgrotte. Hier soll Maria beim Stillen ein Tropfen Milch auf den Boden gefallen sein. An diesem anheimelnden Ort bitten unzählige kinderlose Paare um das Glück, ein Kind zu bekommen. Auch Eltern bitten für ihre Kinder. Kinder für Eltern. So brachten wir alle unsere eigenen und auch die Anliegen unserer Daheimgebliebenen in diesen Weihnachtsgottesdienst mit hinein, musikalisch wunderbar begleitet von Ursula Schulz und ihrer Gitarre.
Die Geburtskirche betreten wir durch ein sehr kleines steinernes Tor. Innen pulst das volle internationale Leben.
Aus aller Welt kommen die Christen, um einmal den Stern in der Geburtsgrotte zu sehen und zu berühren, den Ort, der vielleicht der Geburtsort Jesu ist. Die Kirche ist aus frühchristlicher Zeit. Nach Zerstörung wieder aufgebaut, drohte erneut Gefahr: Als die Perser durchzogen und alle Kirchen erneut zerstörten, blieb die Geburtskirche verschont, weil die Soldaten das Bild der drei Weisen aus dem Morgenland mit ihrer Kopfbedeckung für ihresgleichen hielten. Der konstantinische Fußboden wird derzeit restauriert, und während der langen Wartezeit in einer langen Menschenschlange erklärt Msgr Konrad Schmidt die lMosaiken an den Kirchenwänden.
In Bethlehems Geburtskirche wird dreimal Weihnachten gefeiert. Am 24.12. feiern die Christen des Westens, am 06.01. die Orthodoxen und am 18.01. die Armenier.
Die Wartezeit vor der Geburtsgrotte von 2,5 Stunden war sehr anstrengend und wenig erfreulich, weil immer wieder weniger geduldige Menschen versuchten, sich mit allen möglichen Tricks vorzudrängen. Die Stufen hinunter in die Grotte sind sehr steil. Unten angekommen, befinden wir uns in einem kleinen recht dunklen Raum. Rechts knien wir nieder und dürfen einzeln den silbernen Stern berühren. 14 Spitzen für die 14 Generationen des Stammbaumes Jesu nach Matthäus und die 14 Kreuzwegstationen.
Der ganze Raum ist ausgekleidet mit sehr dunklen bemalten Lederbehängen. Unsere Gruppe versammelte sich in der Geburtsgrotte und gemeinsam sangen wir: Zu Bethlehem geboren…
Das Mittagessen in einem sehr großen Hotel-Saalgebäude schmeckte allen gut und half, die fast orientalisch lauten Anstrengungen zur Platzverteidigung beim Warten vor der Geburtsgrotte zu verdauen.
Ein Einkaufbummel in einem großen Bazar schloss sich an.
Arbeiten aus Olivenholz und anderes Schönes wurde gekauft und werden Heiligabend unter manchem Mendener Weihnachtsbaum liegen.
Unser letzter Besuch galt heute der Universität Bethlehem, an der 3.300 Studenten und Studentinnen unterschiedlicher Religionen zusammen studieren. Nicht nur der Ausblick von der Dachterrasse auf die Mauer, die Bethlehem einschliesst, sondern auch die Schilderungen des sehr komplizierten und komplexen Nebeneinanders von Palästinensern und Israelis war sehr spannend. Wünschen wir beiden Seiten dauerhaften Frieden!
Zurück im St Charles Hospiz erwarten uns die „Kombattanten für den Frieden“ , eine Gruppe von ehemaligen Soldaten auf palästinensischer und israelischer Seite, die heute im täglichen Umgang miteinander zeigen wollen, dass es auch friedlich geht.


Freitag, 09.11.2018

Gang durch das ausgegrabene Jerusalem – Cardo – jüdisches Viertel (Burnt House) – Hurva Synagoge – Sionsberg – Gespräch mit Abt Bernhard OSB – Fahrt zum Toten Meer

Blog Jutta Lülff: Wir betraten die Altstadt Jerusalems durch das Zionstor. Unser erster Besuch galt der großen Hurva Synagoge. Dort nahmen wir auf einer obere Empore Platz und unser Reiseführer Yair erläuterte uns viele jüdische Gebräuche.
Vom Dach der Hurva Synagoge genießen wir die Aussicht über die Dächer Jerusalems. Die Grabeskirche, die Dormitio, den Ölberg, alles kann man sehen. Phantastisch, diese eng beieinander liegenden Kirchtürme, Moscheen und Synagogen.
Wir gingen weiter zum Burnt House. Im jüdischen Viertel entdeckte man nach dem 6TageKrieg bei Ausgrabungen die Überreste dieses Haus aus der Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels. Das Geschehen schauten wir uns in einem sehr anschaulichen Film an.
Unser Weg führte uns weiter durch das jüdische Viertel zum Cardo, der Ausgrabung der 22m breiten Prachtstraße aus römischer Besatzungszeit mit hohen Säulen mit korinthischen Kapitellen. In großen Wandgemälden ist das damalige pulsierenden Leben dargestellt.
Unser Picknick im Garten vom St Charles Hospiz unter Bäumen und Palmen schmeckte besonders gut.
Nachmittags ging’s dann erneut ins Zentrum:
In der Nähe der Dormitio befindet sich der Abendmahlsaal und darüber ein moslemisches Heiligtum.
Trotz der beengenden Fülle sangen wir „Beim letzten Abendmahle“ und mit geschlossenen Augen war Andacht möglich. Immerhin war unser Lied für eine chinesische Reisegruppe ein Kurzvideo wert, so dass wir nun in China noch prominent werden.
Aus diesem Gedränge führte unser Weg zur Dormitio, wo uns in der Kirche eine wohltuende Ruhe umfing.
Das Gespräch mit Prior P. Matthias war sehr interessant. Er erzählte sehr anschaulich die Geschichte der Kirche, die Aufgaben der Benediktiner und über das christliche Leben im hl. Land.
Ein letzter schneller Fußmarsch brachte uns zur Westmauer, wo wir wenige Minuten vor Beginn des Schabbat eintrafen. Gerade noch rechtzeitig, um ein paar Fotos machen zu dürfen,dann ließen wir die ganz besondere Atmosphäre des tausendfachen Betens auf uns wirken.

Blog Thomas Nienstedt: Nachdem Jutta Lülff den Tag beschrieben hat, möchte ich meinen Eindruck zum Zionsberg mit dem Davidsgrab und dem Abendmahlssaal schreiben. Konrad Schmidt erklärte uns alle Stätten. Besonders ist mir die Gebetstradition der drei Religionen im Raum aufgefallen. Die Gebetsnische, in welcher der Vorbeter sein Kantorengebet vollzieht. Die Fenster umrahmen wunderschön die Nische. In der Ecke, mit einem Baldachin umgeben, die christliche Tradition des Abendmahl saales. Das Symbol des Pelikans, der seine Jungen selbstlos nährt, deutet auf das Abendmahl hin.
Jesus, der in seinem letzten Abendmahl das Brot und den Becher mit Wein nimmt und zu seinen Jüngern sagt:
Das ist mein Leib.
Das ist mein Blut des neuen Bundes für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Die erste christliche Gemeinde versammelte sich mit der Gottesmutter Maria in diesem Raum des Obergemachs zur Erinnerung an Jesus und zur Feier des Herrenmahls. Am 50. Tag empfingen sie den Hl. Geist, die Kraft Gottes, um hinaus in die Welt zu gehen und die Botschaft zu verkünden. Im Raum gegenüber der Gebetsnische ist ein Olivenbaum in einem Topf gepflanzt. Er ist ein Hinweis auf das Judentum. Denn im Erdgeschoss befindet sich eine kleine Synagoge mit dem Davidgrab.
Auch wenn das Gebäude nicht aus der Zeit Jesu stammt und das Davidgrab doch viel eher in der Davidstadt zu suchen wäre, ist dieser Ort ein wichtiges Erinnerungstück. Viele Gläubige in der Tradition besuchen mit dieser Intention die Gebetsräume, vergegenwärtigen sich den Abendmahlssaal oder das Grab des Königs David, auf den viele Psalmengebete zurückgehen. Auch wir haben das Lied aus der Gründonnerstagsliturgie gesungen: „Beim letzten Abendmahle“ und waren einen Augenblick mit Jesus im Abendmahlssaal.

Unten das Davidsgrab. Im Obergemach der Abendmahlssaal und darüber das Minerett.


Samstag, 10.11.2018 – Am Toten Meer

Qumran und die Essener – Festung Massada und der Widerstand gegen Rom – Baden im Toten Meer – alttestamentliche Erzählungen um Sodom, David, En Gedi und Jericho

Blog Jutta Lülff: Gegen 8:30 geht es zum Toten Meer. Fast alle haben ihre Badesachen eingesteckt. Auf dem Weg sehen wir aus dem Bus Blechhütten und Zelte: Behausungen von palästinensischen ärmsten Familien. Auf der Fahrt erleben wir die Sicht auf trockene Wüstengebiete. Der Höhenunterschied ist gewaltig. Von 800 Metern über dem Meeresspiegel in Jerusalem bis 400 Meter unter dem Meeresspiegel am Toten Meer.
Die Temperatur ist schon bei unserer Ankunft fast bei 29 Grad. Ideales Badewetter. Ein großes Vergnügen.
Frisch geduscht und mit superweicher Haut geht es weiter nach Qumram. Zwischendurch erfährt unser Reiseführer, dass der Weg nach Massada gesperrt ist wegen Unterspülungen der Straße. Gleich planen wir um und ziehen das Mittagessen vor. Da wohl alle Gruppen, die nach Massada wollen, jetzt auch nach Qumram fahren, wird es dort sehr voll.
Durch unser frühes Mittagessen im Qumram-Restaurant entkamen wir der drangvollen Enge, konnten unsere Badesalze vom Toten Meer ohne Kassenschlangen einkaufen und auch den beeindruckenden Ausgrabungsort mit den Zisternen ungestört besichtigen. Weiter gehts zum Jordan. Angekommen an der Taufstelle beginnen wir mit einem Lied: Ich glaube an den Vater, den Schöpfer dieser Welt… Nach einem inspirierenden geistlichen Impuls und dem Lied: Herr, wir bitten komm und segne uns
klettern wir die Stufen zum Jordan hinunter. Einige tauchen ihre Füße ins lehmige Wasser, andere ihre Hände. Flaschen werden mit Jordanwasser gefüllt. Wir segnen uns gegenseitig und begreifen plötzlich, wie der innere Zusammenhalt in der Gruppe gewachsen ist und das gegenseitige Vertrauen. Das Händeschütteln kommt von Herzen.
Ein bisschen hat uns heute der Hl. Geist umweht.
Die Weiterfahrt nach Jericho geht durch ein Wüstengebiet mit Stacheldrahtzäunen und Minenfeldern, roten Warnschildern, dass die Weiterfahrt für Israelis verboten und lebensgefährlich ist.
Die durch Stacheldraht geteilte Gegenwart hat uns wieder.
Wir finden einen prächtigen imposanten riesigen uralten Maulbeerfeigenbaum. Es soll der Baum des Zachäus sein. Es gibt wohl keine Zachäuskirche auf der Welt, nur eine Zachäus Moschee.
Jericho ist bekannt für seine Bananen, die wir natürlich probieren müssen, und auch die palästinensischen Händler dort verdienten an uns.
Am Berg oberhalb von Jericho hängt sprichwörtlich das orthodoxe Kloster der Versuchung.

Hier noch das orthodoxe Kloster der Versuchung. Das Licht war schon etwas schlecht!😁👍

Blog Thomas Nienstedt: Am Nachmittag waren wir zur Tauferinnerung an der Taufstelle. Jesus kommt als 28/30 Jähriger an den Jordan und lässt sich von Johannes dem Täufer taufen. Er sagt ganz bewusst ja zu seinem dem Weg, die Liebe und Menschenfreundichkeit Gottes zu verkünden.
Auch wir sagten an diesem Ort das Ja zu unserer Taufe. Als Kind Gottes sind auch wir berufen, wie Christus als Priester, König und Prophet unseren Glauben zu leben. Wir sind aufgerufen, wie ein König, würdevoll in Gerechtigkeit zu handeln, die Liebe Gottes sichtbar im gerechten Miteinander durchscheinen zu lassen. Als Prophet unseren Glauben zu verkünden und als Priester unseren Glauben zu feiern.
Wir durften diese priesterliche Dimension ganz persönlich erfahren. Mit feuchten Händen vom Jordanwasser wurde gegenseitig der Segen gespendet. Auch für mich war es ein sehr eigreifendes Erleben. Wann werde ich selbst gesegnet? Meistens spende ich den Segen, aber die Kraft Gottes von den Teilnehmern zugesagt und mit dem Kreuzzeichen auf Stirn gezeichnet zu bekommen, war für mich ein kostbarer Augenblick.

Blog Jutta Lülff: Als wir schon glaubten, der Tag ginge mit einer in Ruhe gefeierten Vesper zu Ende, bereiteten uns die Schwestern des St Charles Hospizes eine ganz besondere Überraschung.
Sie gratulierten Msgr Prof Dr Konrad Schmidt zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum mit einem Festessen im festlich geschmückten Speisesaal, und wir durften mitfeiern. Jeder Platz war geziert von einer kleinen gebackenen Gans, und bunte Laternen verbreiteten eine anheimelnde Atmosphäre. Jeder bekam ein Glas Sekt, und dann sangen die Schwestern mit ihren glockenhellen Stimmen mehrstimmig „Der Herr segne Dich!“ Ein Moment, den wohl keiner in unserer Gruppe vergessen wird.
Was für ein bereichernder Tag!


Sonntag, 11.11.2018

Sonntagsgottesdienst mit den Borromäerinnen in der Hauskapelle – Fahrt in den Norden zum See Genesareth – Jericho – Taufstelle – evtl. Begegnung mit den „Hirten“ in der Jordansenke und den „Kämpfern für den Frieden“

Abends: Pilgerhaus in Tabgha (5 Nächte)
Einstimmung auf Galiläa (Jesus und der See in der „Bambuskirche“)

Blog Jutta Lülff:  Schon um 6:30 fuhren wir durch die noch fast leere Stadt Jerusalem zum Tempelberg. Nach zweimaliger aufwendiger Kontrolle gelangten wir im Aufgang der Sonne auf das riesige, noch weitgehend unbelebte Plateau. Wir erfuhren viel über die jüdische Geschichte des Tempels, seine Zerstörung und die islamischen Inbesitznahme dieses Ortes. Der achteckige Felsendom mit seinem vergoldeten Dach wirkt leicht und beschwingt durch die vielen Ornamente und Schriftzüge auf blauen Fliesen.
Zum Frühstück und Kofferpacken ging es zurück zum St Charles Hospiz. Dort feierten wir zusammen mit dem Schwesternkonvent und der ganzen Hausgemeinschaft eine feierliche Messe. Durch ihren wundervollen mehrstimmigen Gesang bereicherten die Schwestern die Messe.
Zum Abschied versammelten wir uns im Park, dankten allen für die überaus liebevolle Betreuung und Gastfreundschaft und verabschiedeten uns mit dem Wunsch: „Nächstes Jahr in Jerusalem!“
Unsere Reise zum See Genezareth unterbrachen wir für eins unserer schon legendären Picknicks mit Brot, Tomaten, Gurken, Paprika, Thunfisch, Würzquark, Rotkohlsalat und Tomatenaiwa.
Zwischen LKW-Lärm auf der Autobahn rechts und Traktorenlärm auf dem benachbarten Feld sangen wir umso lauter unseren Kanon und ließen es uns schmecken. Ein weiterer Halt bei Bet She‘ arim führte uns in die Zeit 100-200 nach Christus, in eine Nekropole mit Steinsarkophagen, die einige sehr schöne Darstellungen von Blumen und Tieren aufwiesen. Auch ein in den Fels gehauener siebenarmiger Leuchter wurde von uns bewundert.
Gegen 16:30 kamen wir in unserem Gästehaus in Tabgha an.

Blog Thomas Nienstedt: 16.30 Uhr; eine schöne Stimmung am See. Langsam geht die Sonne unter. Die Vögel werden ruhiger. Es kehrt Ruhe ein. Auch für uns als Pilger ist der Abend frei und wir können erst einmal unserer Pilgerhaus erkunden und von den vielen Eindrücken der letzten Woche etwas bei einem gemütlichen Abend verarbeiten.
Ist das nicht so wie bei Jesus und seinen Jüngern?
Auch sie haben viele Erfahrungen mit Jesus an diesem Ort gehabt. Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus und die vielen anderen Heilungen, Wunder und Lehrgespräche. Die Jünger merken, das sich auch Jesus immer wieder in die Stille zurückzieht. Auch er lädt sie nach ihrem Missionierungsauftrag zu Zweit zur Auszeit ein. Eine Auszeit vom Alltag und vielen Eindrücken ist wichtig. Jesus ist in dieser Zeit mit Gott, seinem Vater im Gebet. Er spricht mit ihm und erfährt neue Kraft.
Auch wir Pilger merken, dass wir diese Zeiten des ganz persönlichen Gesprächs mit Gott benötigen und uns, wie Jesus, im Garten der Schwestern in Jerusalem zurückgezogen haben. Jetzt ist es hier am See möglich. Die ersten waren schon am See. Daher dieses Bild.


Montag, 12.11.2018 – Die christlichen Stätten am See Genesareth

Berg der Seligpreisungen – Primatskapelle – Kafarnaum – Messfeier auf dem Boot

Blog Jutta Lülff: Wir fanden uns heute morgen unter dem Blätterdach der sog. Bambuskirche ein. Hier sangen wir unser Morgenlob am Ufer des Sees. Im Mittelpunkt stand der Säemann, dessen Saat nicht an allen Orten aufgeht. Aber die aufgehende Saat ist 30-100fach.
Eine kurze Busfahrt zur Kirche der Seligpreisungen schloss sich an. Eingebettet in einen wunderschönen Park mit riesigen Zypressen, Akazien, Eukalyptusbäumen, Gummibäumen und unzähligen Rosenstöcken liegt die achteckige Kirche an dem Ort, wo man sich vorstellen kann, dass Jesus dort auf den Berg stieg, um zu beten.
Wir sangen „Großer Gott, wir loben Dich“ in der Kirche.

 
Eine Wanderung runter zur Primatskapelle unternahmen alle, die sich fit genug fühlten.
Diese Kapelle ist direkt über einen Felsen gebaut und liegt nahe am See. Früher reichte das Wasser bis fast zur Kapelle. Erschreckend, wie stark der Spiegel des Sees gesunken ist.
Nur eine kurze Wanderung weiter liegt die Brotvermehrungskirche und Tabgha, betreut von den Benediktinern der Dormitio in Jerusalem. Ein besonderes Anliegen der Benediktiner liegt hier u.a. In der Organisation von religionsübergreifenden Begegnungen behinderter Jugendlicher.
Ein idyllischer Ort mit Innenhof.
Die Menschenfülle war allerdings überwältigend.
Wunderbare Mosaiken und Buntglas-Fenster geben der Kirche ein eigenes Licht.

Der Petersfisch zum Mittagessen, ein delikater Fisch, aber wegen seines Grätenreichtums auch ein „Arbeitsessen“
in einem mit Zeltplanen überdachten Restaurant war etwas ganz besonderes.
Ein kurzer Regenguss störte uns nicht.
Gut gesättigt, bestiegen wir bei Ginossar das Boot, um auf dem See Genezareth die Hl. Messe zu feiern. Unsere Andachtsgegenstände für den Weihnachtsgabentisch wurden gesegnet und mit abgestelltem Motor glitten wir sanft über den See.

Wir legten dann in Kafarnaum an, wo wir eine gut erhaltene Synagoge aus dem 4. Jahrhundert nach Christus und die mit einer Kirche überbauten Ausgrabungen der Wohnräume sahen, die möglicherweise das Wohnhaus der Schwiegermutter des Hl Petrus waren. Durch einen Glasboden schaut man in die Räume. Der große Platz davor ist geschmückt mit einer Nachbildung des Pfauenmosaiks und einer riesigen Petrusstatue, die im Licht der Abendsonne sehr imposant wirkten.

Blog Thomas Nienstedt: In Magdala haben wir das Boot bestiegen und fuhren bis Kafarnaum. Auf dem Schiff haben wir gemeinsam die Hl. Messe gefeiert. Das Evangelium hat uns an die Stillung des Sturmes auf dem See erinnert. Die Jünger sind voller Angst und Hektik. Sie drohen unterzugehen. Dies ist auch ein Bild für unsere Zeit. Was strömt nicht alles auf uns ein? Wie kann ich die Stürme meines Alltags überleben?
Ein Text von Hans-Günter Netz, der die Bibelstelle ins heute übersetzt, hat uns in der Messe begleitet.

In jedem Wind, in jedem Sturm,
In jedem Abendrot
In jedem Wind, in jedem Sturm
Da spür ich meinen Gott

Im Meer der Zeit nicht untergehen,
Im Meer der Zeit den Tag bestehen,
Den Tag bestehn und weiter, weiter weitergehen.

Ein Atemzug, ein Fingerzeig,
ein Lachen und ein Wort,
ein Atemzug, ein Fingerzeig.
ich spüre meinen Gott.

Im Meer der Zeit nicht untergehen,
Im Meer der Zeit den Tag bestehen,
Den Tag bestehn und weiter, weiter weitergehen.

In jeder Angst und Einsamkeit,
in allergrößter Not,
in jeder Angst und Einsamkeit
bist du bei mir, mein Gott.

Im Meer der Zeit nicht untergehen,
Im Meer der Zeit den Tag bestehen,
Den Tag bestehn und weiter, weiter weitergehen.

Ein kleiner Traum, ein kleiner Schritt,
ein kleiner Bissen Brot.
kleiner Traum, ein kleiner Schritt
bleib bei mir, du mein Gott.
Im Meer der Zeit nicht untergehen.

Im Meer der Zeit den Tag bestehen,
Den Tag bestehn und weiter, weiter weitergehen.

Textrechte: Hans-Jürgen Netz (Bonifatiuswerk)


Dienstag, 13.11.2018 – Die Golanhöhen

Fahrt in den Norden nach Caesarea Philippi – Wanderung – Wasserfall – Psalm 42

Blog Jutta Lülff: Das Morgenlob in der Bambuskirche ist uns am zweiten Tag bereits zur lieben Gewohnheit geworden. Mit Blick auf das dunstige, silberne Wasser des See Genezareth stimmen wir das „Höre Israel“ an. (Dtn 6.4-7)
In froher Stimmung fahren wir zu unserem ersten Ziel heute: Caesarea Philippi, einer archäologischen Ausgrabungsstätte auf den Golanhöhen mit Blick auf den Berg Hermon.
Hier erfahren wir von den Wanderungen Jesu, die ja nicht als Reiseberichte nieder geschrieben worden sind, sondern sich oft nur aus den Ortsangaben in einzelnen Bibelstellen nachvollziehen lassen.
Hier stellt Jesus die so entscheidende Frage: „für wen halten die Leute den Menschensohn“?
hier entspringt eine der Hauptquellen des Jordan,
vor einer hohen, steilen Felswand aus rotem Kalkstein.
Morgenfrisch und ausgeruht begab sich der größte Teil unserer Pilgergruppe auf eine zweistündige Wanderung zu den Banyas Wasserfällen. Unterwegs genossen alle die großartigen Aussichten und die herrlichen Blumen am Wegesrand. Auf den Wiesen sprießen tausende tulpenartige Blattrosetten aus dem Boden, Herbstkerzen?
Die rauschenden Wasserfälle brachten allen erfreuliche Abkühlung und dann mussten ca 150 Stufen erklettert werden, um den wartenden Bus zu erreichen.
Unser nachfolgendes Picknick wurde sehr liebevoll vorbereitet, so dass die Wanderer einen schön gedeckten Tisch unter schattenspendenden Bäumen vorfanden. Inzwischen hat auch wohl jeder seine Vorlieben entwickelt. Ob es der leckere, mit frischem Zitronensaft angemachte Thunfisch, die leicht scharfe Tomatensoße, ob es der etwas süss angemachte Rotkohlsalat ist oder frische Tomaten, Gurken und Paprika, denen man anmerkt, dass sie reichlich israelische Sonne genossen haben.
Ein kleiner schwarzer orientalischer Kaffee rundet das köstliche Mahl ab.
Korazim erreichten wir am Nachmittag. Die schwarzen Lavagestein-Grundmauern eines kleinen jüdischen Ortes aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Bemerkenswert die gut erkennbare Synagoge, einige Ornamente, wie der Kopf einer Medusa, Säulenkapitelle, ein schöner Architrav und vor allem ein steinerner verzierter Sitz für Würdenträger wurden hier von uns bestaunt.
Die Aussicht auf den See war von hier überwältigend.
Nach diesem abwechslungsreichen Tag war dann die fröhliche Runde auf der Terrasse unseres Pilgerhauses bei Cappuccino und Eiskaffee versammelt.

Blog Thomas Nienstedt: In Cäsarea Philippi waren wir besonders mit der Bibelstelle Mt 16,13ff unterwegs. Eine Ortsbezeichnung in der Bibel, die uns mit einem wichtigen Christusbekenntnis in Verbindung gebracht wird. Es ist ein Ort, der im Schmelztiegel der Zeit des Herrschers Philippus, Sohn des Herodes, zu einer multikulturellen Stadt heranwuchs. Er hat, wie der Titel der Stadt schon verrät, dem römischen Kaiser die Stadt gewidmet.
Mit diesem multikulturellen Hintergrund fragt Jesus seine Jünger: Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Wir kennen die Aussagen der Jünger. Einige für Johannes, den Täufer, andere für Elija oder Jeremia oder sonst einen Propheten.
Jesus: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus ergreift die Antwort.
Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
Eine Antwort, die ihm im Gebet und im Leben mit Jesus geben ist.
Jesus nennt in dieser Bibelstelle Petrus den Felsen, auf dem er die Kirche aufbauen will. In Cäsarea Philippi gab es zur Zeit Jesu einen großen Felsvorsprung, aus der die Quelle des Jordanquellflusses Banhias hervorströmte. Dieser Quellfluss versorgt zusammen mit den anderen beiden Quellflüssen Israel zu einem Drittel mit Trinkwasser. Auch die angrenzenden Gebiete in Jordanien werden versorgt.
Wenn Jesus diesen Felsen im Blick hat, dann ergibt das Felsenwort eine neue Qualität. Du bist Petrus, der Quellfels. Du sollst das Leben ermöglichen. Sollst wie eine sprudelnde Quelle in der Dürre den Glauben verbreiten. Es ist ein anderes oder besser ergänzendes Bild, was uns mit dem bewahrenden, festen Primatsbild verbindet. Mein verstorbener geistliche Begleiter hatte für die überfüllende Gnade, die Gott schenkt, einen überlaufenden Krug, der die untenliegende Schale übervoll füllt. Gottes überströmende Gnade soll verschenkt werden. Sie ist größer und mehr als wir fassen können.
In einer anderen Zeit spricht ein Psalmenbeter im Exil: Wie der Hirsch lechst nach frischen Wasser, so lechst meine Seele nach dir. Was das mit diesem Ort zu tun hat, werden wir gerne später zuhause erzählen.


Mittwoch, 14.11.2018 – „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“

Messfeier bei den Kleinen Brüdern Jesu – Besuch der Verkündigungsbasilika – Mittagessen in Schfar Am

Blog Jutta Lülff: Unser heutiges Ziel: Nazareth. Oberhalb der Stadt fanden wir einen Aussichtspunkt, von dem aus wir die Verkündigungsbasilika wunderbar im Gewirr der Häuser erkennen konnten.


Die Messfeier bei den kleinen Brüdern Jesu in einer Kapelle, idyllisch umgeben von einem liebevoll gestalteten Garten, rückte das Leben Marias und Jesu Kindheit in den Mittelpunkt. In der Predigt erinnerte Msgr Prof Dr Konrad Schmidt an Charles de Foucauld, der einige Jahre in Nazareth lebte. Das einfach gestaltete Messgewand aus Jute mit schlichten Kreuz-Applikationen empfindet das einfache Leben Charles de Foucaults nach.

Durch das offene Fenster klang während der ganzen Messe das zarte Glockengeläut orthodoxer Kirchenglocken, was unserem Beten einen besonderen Rahmen gab. Nach der Messe sangen wir einem Mitglied unserer Pilgergruppe ein Geburtstagsständchen. Nazareth ist wirklich ein besonderer Ort, einen Geburtstag zu feiern.

Die Verkündigungsbasilika ist umgeben von einem großen Innenhof. Viele Mariendarstellungen aus allen Ländern sind rund um die Kirche aufgehängt. Für Deutschland hängt dort eine Schutzmantelmadonna, die einen Jungen und ein Mädchen umfängt. Zwischen den Kindern gibt es eine Mauer. Vierzehn Tage, nachdem diese Madonna in einer kleinen Feierstunde dort aufgehängt worden war, fiel die Mauer in Deutschland.
In die Außenwand der Basilika ist in großen Buchstaben das Regina coeli eingemeißelt.
Die Unterkirche mit der Verkündigungsgrotte ist heute überdacht von einer riesigen Halle. Oberhalb dieser Halle gibt es die Oberkirche, eine riesige Kirchenhalle mit einer besonderen Kuppel. Sie ist wie eine Lilienblüte gestaltet und jede aufstrebende Zacke ist geschmückt durch den Buchstaben M. An den Wänden finden sich große Bilder von den großen Marienwallfahrtsorten der Welt.
Ausserhalb gibt es eine kleine modern gestaltete Taufkapelle, gestaltet von dem Künstlerehepaar Hartmann-Lintel, mit einem sehr schönen Mosaik, Thema: Der Sämann.
Nach einem kurzen Marsch durch die Altstadt erreichten wir die orthodoxe Gabrielskirche mit wunderschönen Fresken und Ikonen, die nach orthodoxer Überlieferung Ort der Verkündigung gewesen ist. Sie ist über einen uralten Brunnen gebaut, zu dem man tief herunter schauen kann.
Sodann fuhr uns unser Busfahrer, Scheich Machmoud zu seinem Heim. Dort erwartete uns ein arabisches Festmahl. Wir genossen die orientalischen Köstlichkeiten sehr und auch die herzliche Aufnahme durch die Beduinengrossfamilie mit der Oma, der Ehefrau, den Schwestern, Schwägerinnen, Schwiegertöchtern, Söhnen , Enkeln, Nichten und Neffen. Die Gastfreundschaft war beeindruckend! Ein kurzes Gewitter führte dazu, dass der Scheich sein Divan-Wohnzimmer für alle öffnete.


Am Nachmittag besuchten wir Zippori, eine alte Ruinenstadt mit römisch-byzantinischen Wurzeln. Der Gang über den breiten Cardo, die Prachtstraße, gestaltete sich etwas anstrengend. Das Pflaster aus riesigen Steinquadern wies tiefe Runen von Wagenrädern auf und war nach dem Gewitter nass und glitschig.
Die wunderbaren, überdachten Mosaiken lohnten den Weg.
Die Synagoge von Zippori hat einen Mosaik-Fußboden mit sehr schönen Sternkreiszeichen, einem sehr gut erhaltenen siebenarmigen Leuchter und in einigen Mosaiken die Geschichte von Abraham, Sarah und ihrem Sohn Isaak.
Die warme Abendsonne begleitete unseren Weg zurück nach Tabgha.

 

Blog Thomas Nienstedt: Was kann aus Nazareth schon gutes kommen? Gott hat von Anfang die Heilsgeschichte des Messias in dem einfachen Alltag beginnen lassen. Wenn wir uns in Nazareth die beiden Bibelstellen von der Verkündigung und Geburt des Johannes des Täufers und Jesus anschauen, dann merken wir, dass Jesus Geburt nicht in Jerusalem, sondern in einem kleinen unscheinbaren Dorf geschieht. Nicht als Priester im Tempel wächst er auf, sondern als einfacher Handwerker in Nazareth. Konrad Schmidt zeigte uns von der Bergseite das kleine Dreieck, in der die Grenzen des ursprünglichen Dorfes waren. Der Engel Gabriel wird in einer ganz alltäglichen Situation zur Jungfrau Maria gesandt. In der latinischen Tradition geschieht dieses Geschehen im Haus. Wir konnten in der katholischen Verkündigungskirche die Grotte bzw. Fundamente des Hauses sehen. In der Orthodoxen Tradition geschah die Begegnung am Brunnen im Ort. Denn die Begegnung des Engels Gabriel mit einer zur Heirat versprochen Frau konnte nur in der Öffentlichkeit stattfinden. Beide Traditionen beschreiben Maria als eine einfache Frau. In den apokryphen Schriften wird sie als eine in der Hl. Schrift gebildete Frau beschrieben. Sie sagt ihr Ja zu dem Heilswerk Gottes.

Wenn wir die wenigen kurzen Beschreibungen von Nazareth in der Kindheit Jesu uns anschauen, dann merken wir, das Jesus, nach der Geburt in der Davidstadt Bethlehem und der Flucht nach Ägypten, in Nazareth ein einfaches Handwerkerleben geführt hat. In den ersten dreißig Jahren seines Lebens hat der die Umwelt der einfachen Menschen kennengelernt. Er hat mit Josef als Zimmermann gearbeitet. So ist es, dass in der Synagoge in Nazareth nach Taufe im Jordan und der Versuchung in der Wüste große Verwunderung herrscht. Jesus kündigt hier an:

Das Reich Gottes ist angebrochen. Der Geist Gottes ruht auf ihm. Die Prophezeiungen des Jesajas(Jes 61,1ff) gehen in Erfüllung. Heute, in der Einfachheit des Lebens hat das Reich Gottes seinen Anfang genommen.

Das ist auch für uns heute ein verheißungsvolles Wort. Heute, in deinem ganz gewöhnlichen Alltag hast du Teil am Reich Gottes. Du musst nicht besondere Dinge tun. Gott begegnet dir in den kleinen Dingen. Durch ein Wort in der Schrift oder im Gottesdienst, eine Geste von einem Freund, eine Begegnung mit der Schöpfung. Und da gilt es auch uns, wie Maria mit einem Ja zu Gottes Heilsplan mit uns zu antworten.


Donnerstag, 15.11.2018 – „Die Geschichte unter den Füßen“

Besuch von Gamla und Mizpe Shalom – nachmittags: Entspannung am See

Blog Jutta Lülff: Das Morgenlob findet heute in der Kapelle des Pilgerhauses statt. Ein sehr schönes Kreuz und eine über dem Altar schwebende Taube geben diesem Raum Atmosphäre.


Der See Genezareth ist im Dunst kaum zu sehen. Genezareth kommt vom dem hebräischen Ginozar und bedeutet so viel wie die Gärten des Kaisers.
Korazim, Betsaida und Kapharnaum bilden ein geographisches Dreieck, in dem sich viele Ereignisse von denen die Evangelien berichten, abgespielt haben.
Unser erster Weg führt uns nach Kursi, zufällig entdeckt bei Bauarbeiten, das frühere Gerassa.
Mk5.1-20: der Besessene von Gerassa im Semachtal.
Die alte byzantinische Basilika aus schwarzem vulkanischen Gestein weist sehr schöne Mosaiken auf. Leider sind viele Details bereits geplündert worden. Ein schönes Motiv mit einem Brotkorb zwischen zwei Vögeln.


Auf den Golan-Höhen gibt es eine Aussichtsplattform mit phantastischer Aussicht auf den See Genezareth.
Da es sehr diesig ist, benutzen wir die Zeit, über den israelisch-syrischen Konflikt von 1948 und 1968 zu sprechen.
Unser Weg führt uns weiter nach Gamla, hebräisch Kamelhöcker.
Wir fuhren kilometerweit durch karge unbestellte Felder, die umzäunt waren und warnenden Hinweisschildern. Hier liegen rechts und links der Straße noch Millionen Minen in der Erde.
Gamla liegt am Hang eines einzelnen spitzen Berges, der aus einem Tal wie ein Kamelhocker herausragt. Teile der ausgegrabenen Stadt sind zu sehen.
Hier vernichteten die Römer eine ganze Stadt, während des Kampfes gegen die Aufständischen im Jahre 67. Flavius Josephus berichtet darüber.


Der Blick in die Weite des endlosen Tales und die roten Felswände in der Ferne ist grandios. Ein herrlicher ruhiger Ort für ein letztes zünftiges Picknick. Die letzten mitgebrachten Schnäpschen fanden auch noch Liebhaber,
bevor es nach Tabgha zurück ging.
Abends trafen wir Pater Jonas, den Prior von Tabgha, der uns im „Diwan“ vom Leben und Wirken der Benediktiner in Tabgha erzählte. Der Brandanschlag 2015 war ein schreckliches Erlebnis. Alle äußeren Spuren sind beseitigt.
Die großartige Solidarität der Nachbarschaft und auch weltweit war ein wertvolles Geschenk und eine wohltuende, ermutigende Erfahrung.

Blog Thomas Nienstedt: An diesem letzten Tag vor unserer Heimfahrt waren wir auf der andere Seite des Sees. Auch für Jesus war die andere Seeseite ein Ausflug über die jüdische Kultur hinaus. Auf dieser Seeseite waren die Legionen der Römer untergebracht. Nachdem Jesus im jüdischen Umland in dem Dreieck, Korazim, Kapernaum und Betsaida eine Vielzahl von Heilungen, Wunder gewirkt und Gleichnissen verkündet hat, ist er auf die andere Seite des Sees gekommen. Auch hier hat er unter den so genannten Heidenvölkern gewirkt. In Gerasa(Mk 5,1ff) hat er den von der Legion besessenen Mann geheilt. Er war nicht mehr bei sich. Er hat sich seelisch verloren. Konnte nicht mehr seine Umwelt wahrnehmen. Schlug mit Worten und Körper um sich, sodass die Bewohner ihn nicht mehr bändigen könnten. Er lebte in den Grabhöhlen, die man von dem Austragungsort sehen konnte. Ein Symbol, das er mehr tot als lebend war. Ohne Beziehungen kann man nicht leben. Jesus heilte ihn, indem er die Legion der Besessenheit in die Schweineherde schickte, die dann in dem See umkamen. Ein äußeres Zeichen der Heilung ist die Ausgeglichenheit und Dankbarkeit des Geheilten. Jesus sendet ihn in seine Familie zurück, damit er dort von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes sprechen und den Messias bezeugen kann. Er wandert weit in die andere Welt und verkündet die Frohe Botschaft. Das Reich Gottes wird auf der ganzen Welt im Bekenntnis verkündet.

Die Exegeten vermuten, das die zweite Brotvermehrung auch in dem heidnischen Teil des Seeufers stattgefunden hat. Die bekannte Vermehrungserzählung von den fünf Broten und zwei Fischen des kleinen Jungen(Mk 6,30ff), die wir in Tabgha besonders bedenken, zeigt, dass die Heilsgeschichte dem jüdischen Volk geschenkt ist. Brot Zeichen des Lebens. Nach der großen Predigt schenkt er den Zuhörern Zeit, sich mit ihm im Lobpreis zu verbinden. Die 12 übrig gebliebenen Körbe symbolisieren die 12 Stämme Israel.
Hier an der gegenüberliegenden Seite des Sees ist eine weitere Brotvermehrung(Mk8, 1ff) angesiedelt, wo Jesus den im schon seit drei Tagen mitwandernden Menschen Brot zur Stärkung gibt. Wie in Tabgha werden hier die mitgebrachten 7 Brote von Jesus genutzt, um die Mitreisenden aus Mitleid zu sättigen. Es bleiben 7 Körbe Brot über. Die Zahl sieben ist in der heidnischen Umgebung die Zahl der Vollkommenheit.

Bei der Belehrung der Jünger und Pharisäer in Dalmanuta erinnert er an diese beiden Brotvermehrungen. Gott will das Leben in Fülle schenken in dem er unsere Gaben und Talente wandelt. Dieser Zuspruch gilt allen, die sich an Gott wenden. In Caesarea Philippi hat Petrus stellvertretend für alle Jünger Jesus als den Heilsbringer, Messias benannt.

Das war der Vorletzte Blogteil von uns. Wir werden uns noch kurz vor dem Abflug melden.


Freitag, 16.11.2018

09:00 Uhr Pilgerabschlussmesse in Tabgha

Blog Jutta Lülff: Heute heißt es Abschied nehmen! Erstmals regnet es, so dass die Feier der Messe an unserem Lieblingsort „Dalmanuta“ nicht möglich ist. Die Kapelle des Pilgerhauses mit ihrem wunderschönen Hoffnungs- und Auferstehungskreuz und der über dem Altar schwebenden Taube ist uns auch ans Herz gewachsen.
Die Abschlussmesse mit einer die Pilgerfahrt zusammen fassenden Predigt von Thomas Nienstedt und Fürbitten, in die jeder noch einmal seine ganz persönlichen Anliegen einbringen konnte, wird wohl niemand vergessen.
Zum Abschied versammelten wir uns auf der Terrasse des Pilgerhauses in einem großen Kreis rund um den Springbrunnen. Worte des Dankes wurden gesprochen an Yair Bunzel, der während der ganzen Fahrt keine Frage unbeantwortet ließ, an Scheich Machmoud Hotscherat, der uns sicher durch Galilea, zu den Golanhöhen und um den See Genezareth fuhr und der uns sein Haus öffnete, um uns teilhaben zu lassen am Leben seiner Großfamilie, an Msgr. Konrad Schmidt, der durch seine herzliche, verbindende Art aus unserer Reisegruppe eine echte, zusammengewachsene Pilgergruppe formte und der es schafft, vor einem Haufen kaputter Steine das Glaubens-Gebäude des Lebens Jesu bildhaft so lebendig werden zu lassen, dass unsere Vorstellungswelt das auch erfassen und verstehen kann.
Allen dreien in diesem seit Jahren aufeinander eingeschworenen Team sagten wir Dank. Ein Dank gebührt auch Thomas Nienstedt, der sein Ohr immer an den Nöten der Gruppe hatte und es geschafft hat, unsere Anliegen, die Anliegen des Pastoralverbundes und alle persönlichen Anliegen, die ihm mit auf den Weg gegeben worden waren, einzubringen in unsere Gebete.
Der Geschäftsführer des Pilgerhauses verabschiedete uns persönlich, wünschte einen guten Heimflug und versprach, uns auch im nächsten Jahr gerne wieder willkommen zu heißen.
Wie sagte Yair so treffend:
„Wer einmal die Erde Israels unter den Füßen hatte, kommt immer wieder!
Nächstes Jahr in Jerusalem!“

Blog Thomas Nienstedt: Nun heißt es Abschied nehmen. 11 Tage waren wir im Hl. Land. Waren auf den Spuren Jesu unterwegs. Doch wir waren mit unseren Glaubensgeschwistern im Land des alten Bundes. Auf Schritt und Tritt merken wir die Verbundenheit.
Die jüdischen und muslimischen Geschwister, die wir kennenlernen durften, haben von ihrer Beziehung zum Einen Gott berichtet und mit uns gebetet. Das Glaubensbekenntnis des Christentums, dass Yair mit uns gebetet hat oder Machmoud, der für uns alle an seinem Tisch das muslimische Dankgebet gesungen hat. Die Benediktiner in Tabgha beteten zum Abschluss des Psalmes der Vesper:
“Dem Einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Alle drei Weltreligionen beten zu dem einen Gott.
Danke sage ich auch für die Glaubenszeugnisse unser Gemeinschaft auf dieser Fahrt. Im Abschlussgottesdienst sind wir von Jesus gesendet, diese Erfahrung weiterzuschenken. Wenn ich an unsere Pastoralvereinbarung denke, haben wir in diesem Jahr eine Gemeinschaft über Gemeindegrenzen gegründet, um die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes zu erfahren und nun gilt es, diese Erfahrung in unsere Familien und in den Gemeinden zu tragen.

Danke an Uwe Knäpper, der uns bei dem Blog in der Heimat unterstützt hat.


13:30 Uhr Abfahrt zum Flughafen Tel Aviv und Check-in
16:20 Uhr Abflug aus Tel Aviv  LH 687
20:00 Uhr Ankunft in Frankfurt – Bustransfer nach Menden