St. Antonius Einsiedler Halingen

 

ein-kirche-von-soDie Halinger Kirchengemeinde

Jahrhundertelang  gehörte Halingen als Kapellengemeinde zur Pfarrei St. Vincenz Menden.

Erst 1919 wurde die Kapellengemeinde zur Pfarrvikarie ohne Vermögensverwaltung erhoben.

Im Jahr 1959 erhielt dann die Filial-Kirchengemeinde (Pfarrvikarie) die eigene Vermögensverwaltung (Kirchenvorstand).

Am 1.2.1984 wurde die Pfarrvikarie Halingen von St. Vincenz Menden zur Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena Bösperde „umgemeindet“.

Mit dem Fortgang des Pater Linus 1999 verlor Halingen den eigenen Geistlichen. Der Pfarrer von Bösperde wurde gleichzeitig Pfarrvikar in Halingen.

Seit 1.7.2002 gehörte die Gemeinde zum Pastoralverbund Menden-Nord, der ferner die Gemeinden St. Johannes Baptist Barge, Mariä Heimsuchung & St. Appolonia Schwitten und St. Maria Magdalena Bösperde umfasste.

Ab 1.1.2014 wurden alle 13 Kirchengemeinden der Stadt Menden zum Pastoralverbund Menden zusammengefasst. Es gibt nur noch einen Pfarrer. Die anderen Priester gehören einem Pastoralteam an ohne konkrete Zuordnung zu Gemeinden. Halingen hat weiterhin einen Kirchenvorstand und einen Pfarrgemeinderat.

 

Die Halinger Seelsorger:

1812 – 1814 P. Antonius Sentrop

1814 – 1826 P. Onesimus Oest

1834 – 1846 Joh. C. Welkemeyer

1850 – 1859 Josef Rüsbeck

1859 – 1870 Josef Luke

1870 – 1886 Josef Girhardts

1887 – 1889 Heinrich Decker

1889 – 1904 Wilhelm Kramer

1904 – 1928 Johannes Deventer

1933 – 1941 Friedrich Schröer

1941 – 1954 Heinrich Josephs

1954 – 1958 Dr. Hans Barenberg

1958 – 1961 Ewald Goermann

1961 – 1968 Hugo Hesse

1968 – 1972 Heinrich Buskermolen

1972 – 1986 August Grote

1986 – 1994 P. Markus Schulz

1994 – 1999 P. Linus Kokott

Seit 1999 ist der Pfarrer der Gemeinde St. Maria Magdalena Bösperde auch Pfarradministrator von St. Antonius E. Halingen

1999 – 2008 Johannes Hammer

2008 – 31.01.2013 Raimund Kinold

Ab 01.02.13 ist Pfarrer Jürgen Senkbeil Leiter des PV Menden zu dem St. Antonius Halingen nun gehört.

 

Halinger Kirchengeschichte Teil I

Obwohl, wie oben erwähnt, das Dorf Halingen bis ins vorige Jahrhundert als Kapellengemeinde zur Pfarrei St. Vincenz gehörte, versuchten die Dorfbewohner schon immer, vor allem wegen der weiten und schlechten Wege nach Menden, einen eigenen Geistlichen zu bekommen. Dies führte zu teils abenteuerlichen Unternehmungen, vor allem aber sehr früh zum Bau einer eigenen Kapelle.

Von der ältesten Kapelle hören wir allerdings erst, als sie während der Truchseßschen Wirren (Reformationszeit) zerstört worden war. Eine Kommission der Bischöflichen Behörde in Köln stellte „1587, ungefehr den zweden Augusti“ fest, dass „de Capelle zu Halingen, welche von den Kriegsleuten bey zeiten des Truxes verwöstet, profaniert und genzlich in Verderb gesetzet“ wurde, verkauft werden soll und das „Geld der Schulen zu Menden zu ehrzihung der jungen Kinder“ übergeben werden soll.

Was das Alter dieser ersten Kapelle betrifft, so geht aus dem Schriftverkehr auch hervor, dass sie von „ire selige lebe Vureltern aufgerichtet und ehrbauet“ wurde. Somit verfügte Halingen also bereits im 15. Jahrhundert über eine eigene Kapelle.

Dieses Kreuz im Tellenkamp befindet sich an der Stelle, an der schon vor über 500 Jahren die erste Kapelle stand.

Die Halinger gaben sich mit dem Verkauf der Kapellenreste nicht zufrieden. Sie zahlten der Mendener Schule 40 Taler in bar und bauten die Halinger Kapelle auf eigene Kosten wieder auf. Dies war ihnen wichtig, damit „in Zeitt der nodt alde betagete Leude, Kinder und welche zu der Pfarrkirchen nicht gehen konne, auch in swerlichen Pestzeiten und in anderen fürfallenden nöten de Sakramente der Kirche durch einen ordentlich Preister mögen außgespendet und communiciret werden.“

Dieser Kapelle ist es zu verdanken, dass wir im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Nachrichten finden, die den Halingern einen gewissen Wohlstand und religiöse Gesinnung bezeugen, einige dieser Nachrichten sind nachstehend aufgeführt. Das Gebäude selbst war ein einfacher Fachwerkbau mit Tonnengewölbe mit einer Länge von 14 Metern. Höhe und Breite betrugen je 5 Meter. Die Wände waren innen wie außen verputzt und weiß getüncht. Eine Uhr ohne Zifferblatt schlug zu den vollen Stunden.

Unter den Aufzeichnungen des Pfarrers Straken (ab 1623) findet sich ein Hinweis, dass „4 mal im Jahre durch einen Kaplan aus Menden in Halingen Gottesdienst gehalten sei, nämlich Weihnachten, am Feste des hl. Antonius des Einsiedlers, in der Osterwoche und auf Dom. Trinitatis. Der Weihnachtsgottesdienst sei dann fallen gelassen wegen des nahen Antoniusfestes.“

Am 28. Mai 1647 (also nach Ende des 30jährigen Krieges) wurde die neue Kapelle „auf befehl des durchlauchtigen Churfürsten und Herrn H. Ferdinanden Churfürsten zu Cölln“ „consekrirt und geweihet“. Dieser 28. Mai war der Pfingstdienstag. Das Kirchweihfest ist dann später immer am folgenden Sonntage, dem Dreifaltigkeitssonntage, gefeiert worden. An diesem Sonntage war immer Gottesdienst in Halingen.

Die Verwaltung der Kapelle oblag sogenannten Kapellenprovisoren, die alljährlich im Mendener Pfarrhaus im Beisein „semptliche Buerschaft“ Rechnung legten. Diese Abrechnungen hatten es „in sich“! Bei der des Jahres 1647 wurde beschlossen, daß der vorhandene Überschuss für die Kosten der Kirchweihe verwendet werden soll. Am Schluss des Abrechnungsberichtes heißt es dann außerdem: „Bei der Kapellenrechnung sein 2 Kopstücke ahn Biehr verzehret, so Gerth Stuckenhoff wegen seines restants bezahlen soll“.

Im Jahr 1705 hatten die Halinger wegen des unverändert weiten und sehr schlechten Weges nach Menden einen neuen Versuch unternommen, einen eigenen Geistlichen zu bekommen. „Sie bestellten sich auf eigene Faust einen Geistlichen (Carthaus), der ihnen den regelmäßigen Gottesdienst halten sollte“. Dagegen schritt die kirchliche Behörde ein und verbot dies „Unterfangen“ unter strenger Androhung einer Geldstrafe von 50 Talern für die Gemeinde.

Aus den Jahren 1712 und 1713 liegen Schreiben vor, in denen Pfarrer Kissing eine Verteilung der Kirchenbänke auf die einzelnen Familien vornahm. Alle Familien wurden entsprechend ihrer Größe berücksichtigt. In dieser Zeit wurde die Kapelle auch ausgebessert und erhielt neue Bänke.

Im Jahr 1727 erhielt die Kapelle eine Glocke. Sie wurde vom damaligen Pfarrer Nagel geweiht. Für das Läuten morgens, mittags und abends erhielt Else Weiggemanns jährlich 6 Schillinge.

Erst am 8. Juli 1789 wurde der Gemeinde ihr sehnlichster Wunsch, in der eigenen Kapelle Sonntagsgottesdienst zu haben, wenigstens teilweise erfüllt, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen. Pfarrer Zumbroich berichtet darüber am 28. Januar 1793, daß er vor 3 Jahren das privilegium celebrandi in tacello Halingensi in Köln nachgesucht habe. „Von der Zeit an hat der hier adstribierte Geistliche H. Schnetzlar daselbst gegen ein accordiertes Stipendium die Messe gelesen und vorschriftsmäßig katechisiert“.

Am 22. September 1791 beantragten die Halinger die Umwandlung der Lehrerstelle in eine Schulvikarie. Sie wollten endlich auch den Priester im Dorf haben. Der Plan scheiterte, weil der Mendener Pfarrer dagegen war.

Wohl war 1789 das Privilegium celebrandi erteilt, aber das Allerheiligste durfte in der Kapelle noch nicht aufbewahrt werden. Bei notwendigen Versehgängen mußte das Allerheiligste aus der Pfarrkirche St. Vincenz geholt werden. Dadurch kam es vor, daß der Geistliche zu spät kam und der Kranke ohne Wegzehrung starb. Dies änderte sich erst nach einem Gesuch des Pfarrer Röper mit der Genehmigung vom 12.1.1865.

Daraufhin ersuchte der damalige Primissar Luke am 18. August 1865, nun auch in den Nachmittagsandachten den sakramentalen Segen mit der Monstranz erteilen zu dürfen. Dies wurde aber vom damaligen Generalvikar Peine abgelehnt mit dem Bemerken, vorab solle der Kapellenvorstand dahin streben, dass das Primissariat in Halingen eine sichere Dotation (Einkommen) erhalte.

Zu dieser Zeit, (vor 1866) so berichtet Vikar Deventer später, waren hier Hochämter gehalten, selbst an Werktagen. Als aber am 3. XII. 1866 das Generalvikariat gebeten wurde, die Höhe des Stiftungskapitals für ein in der Kapelle zu Halingen fundiertes Hochamt festzusetzen, kam am 18.12.1866 die Antwort: „Einer Festsetzung des Stiftungskapitals für ein jährlich abzuhaltendes Memorienhochamt bedarf es nicht, da ein solches in der Kapelle nicht abgehalten werden soll“. Seitdem wurden Hochämter in der Kapelle zu Halingen nur mehr vom Pfarrer auf Antonius und Katharina gehalten.

Am 29. Oktober 1870 bat der Primissar Girhardts von neuem um diese Erlaubnis (Nachmittagssegen) und erhielt sie von Bischof Konrad Martin am 21. November 1870.

24 Jahre später! Am 18. September 1894 kam eine Neuerung im Gottesdienste, die für Halingen von größter Bedeutung war, nämlich die 2. Hl. Messe an den Sonn- und Festtagen.

Die Abbildung zeigt die von den Halingern auf eigene Kosten vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Kapelle.

Zu den Gottesdiensten in Halingen schrieb Pfarrer Röper am 28. März 1896 an die Bischöfliche Behörde, daß wahrscheinlich seit Erbauung der Kapelle am Feste des Kapellenpatrons – Antonius Abt – vom Pfarrer zu Menden in Halingen ein Hochamt gehalten sei. „Seit dem vorigen Jahrhundert“ sei ebenso „das Fest der hl. Katharina am 25. November als Fast- und Bußfest gefeiert worden wegen wiederholter großer Brandunglücke und schwerer Typhuskrankheiten und ist damals ein Hochamt gestiftet, das der Pfarrer von Menden zu celebrieren hat“.

Als im Mai 1889 Vikar Wilhelm Kramer als Geistlicher nach Halingen kam, fand er eine alte marode Kapelle vor. Wohl hatte man schon an einen Neubau gedacht, doch erst Vikar Kramer trat zielbewusst und tatkräftig für einen Neubau ein. Ab 1893 begann er monatlich eine Hauskollekte abhalten zu lassen. Ebenso erreichte er, dass ein Teil der von Halingern aufgebrachten Kirchensteuer dem Baukonto zugute kamen. Bei seinem Abschied hatte er ein Baukapital von 20.000 Mark zusammengebracht.

Der Nachfolger Vikar Deventer setzte das begonnene Werk fort und schuf mit der ganzen Gemeinde die St. Antonius Einsiedler Kirche.

Die Beschränkungen der Gottesdienste wurden nach und nach aufgehoben. Als Vikar Dewenter im April 1904 seinen Dienst in Halingen antrat, erklärte der Mendener Pfarrer, dass jede Beschränkung in dieser Hinsicht wegfalle.

Mit dem Bau der Kirche wurde ein neuer Abschnitt der Halinger Kirchengeschichte geschrieben. Diesen finden Sie auf der Seite „Kirche“ des Halinger Internetauftritts.

 

Text: Johann Lichtblau, Quelle: Pfarrarchiv Halingen, Chronik des Vikar Deventer